Wie der Kaiser zu den Teddys kam
Während des Teddy-Summers wird die Stadt Zürich von
Hunderten von Teddybär-Figuren geschmückt sein. Quasi als Stargast
steht am Paradeplatz der einzige Nicht-Teddy: Heiner und Rosamaria Kubnys
Kaiserpinguin.
Von
Christian Hug
Erst kamen die Löwen, dann die Kühe, und zwischendurch gab’s
Sitzbänke. Ab 23. Mai schmücken mehr als 600 mannshohe Teddybär-Skulpturen
die Stadt Zürich – und ein lebensgrosser Kaiserpinguin. Dass
der Frackvogel als einziger Nicht-Teddy bei der diesjährigen Skulpturen-Aktion
der Stadt Zürich mitmachen darf, ist dem Engagement des Polar- und
Pinguin-Fotografen Heiner Kubny zu verdanken: «Dass meine Frau Rosamaria
und ich bei der Aktion mitmachen würden, war uns schon klar, als
der Teddy-Summer letztes Jahr ausgeschrieben wurde», erzählt
Heiner Kubny, «denn als aktive Zürcher wollen wir uns auch
für unsere Stadt einsetzen.» Und natürlich ist eine als
Polarbär angemalte Bärenfigur ein idealer Werbeträger für
unsere Zeitschrift PolarNews.
Kurzentschlossen kauften die Kubnys also eines von drei zur Auswahl stehenden
Sujets, ein grosser und ein kleiner Bär auf einem Podest stehend.
Vergangenen September kamen Kubnys auf die zündende Idee: «Wenn
wir aus unserer Figur einen Polarbären machen beziehungsweise das
Thema PolarNews haben, könnten wir doch einen der beiden Bären
durch
einen Pinguin ersetzen.» So wären beide Erdpole miteinander
verbunden, denn Polarbären gibt’s nur in der Nordpolregion,
und Kaiserpinguine leben ausschliesslich in der Südpolgegend. Die
Zürcher City-Vereinigung als Organisatorin des Teddy-Summers verlangte
zwei Tage Bedenkzeit – und war schliesslich begeistert.
Heiner
Kubny beauftragte den in Zürich lebenden österreichischen Künstler
Josy Farnbauer, ein Eins-zu-eins-Modell eines Pinguins
herzustellen. Farnbauer hat als Plastiker und Bühnenbildner, unter
anderem für das Zürcher Opernhaus, ausgiebig Erfahrung mit Tierfiguren.
Sein Vorschlag für den Pinguin liess denn auch keine Wünsche
offen. Die Firma Klarer in Hallau SH, die schon die Kühe und Löwen
herstellte, fertigte dann aus Glasfaser-Verstärktem Polyester eine
Pinguinform, mit der schliesslich in Polen zwei Pinguine geformt wurden.
«Einen als Reserve, falls jemand den ausgestellten Pinguin klauen
sollte», erklärt Heiner Kubny, «man weiss ja nie.»
Der Kunstmaler Lando Pobre aus St. Gallen zauberte im vergangenen Dezember
beiden Tieren sprichwörtlich Farbe ins Gesicht und machte aus den
weissen Figuren einen lebensecht wirkenden Polarbären und einen Kaiserpinguin.
Achteinhalb Kilo schwer ist allein der Pinguin, mit 1,10 Meter Höhe
so gross wie ein echter Kaiser. 8500 Franken haben sich die Kubnys alleine
den Pinguin kosten lassen, das Ensemble kostete schliesslich rund 15'000
Franken.
Jetzt,
wo der Bär und der Pinguin fertig waren, wollte Heiner Kubny die
Figuren möglichst prominent platzieren. Die City-Vereinigung, jetzt
erst recht begeistert vom drolligen Vogel, offerierte Kubny freie Platzwahl.
Rosamaria Kubny: «Ich entschied mich für den Paradeplatz, das
ist meines Erachtens der wichtigste Platz in der ganzen Stadt.»
Nun werden einen ganzen Teddy-Summer lang, vom 23. Mai bis zum 18. September,
Kubnys «Polarbär mit Kaiserpinguin» am Paradeplatz zu
bewundern sein – selbstverständlich offeriert der Bär
jedem Interessierten die aktuelle Ausgabe von PolarNews. Und was geschieht
danach mit den Figuren? «Den Pinguin und Polarbären werden
wir in unseren Garten stellen», sagt Heiner Kubny. Und mit der Form
lassen sich noch rund hundert weitere Pinguinfiguren herstellen. Ich glaube,
ich werde mal zehn weiter Pinguine in Auftrag geben und schauen ob jemand
Interesse an ihnen hat.» Denn der nächste Winter kommt bestimmt,
und warum nicht mal einen lebensgrossen Pinguin in den Garten stellen
und den Gartenzwergen einen Winterschlaf gönnen...
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